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Windpark Kirburg – vier gigantische Windkraftanlagen mitten in unserer Heimat

mariobuchner
vor 3 Stunden
5 Min. Lesezeit

Zwischen Kirburg, Lautzenbrücken und Bölsberg sollen vier Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von jeweils 262,5 Metern entstehen. Die Bürgerinitiative Windpark Kirburg lehnt das Vorhaben entschieden ab und will dessen Realisierung verhindern. Dabei geht es nicht allein um den Schutz unserer heimischen Wälder und Landschaften, sondern auch um die grundsätzliche Frage, wie lange eine aus unserer Sicht gescheiterte Energiepolitik noch weitere Eingriffe in Natur, Wirtschaft und Gesellschaft rechtfertigen soll.


Der Hohe Westerwald gehört zu den Landschaften, deren besonderer Charakter durch ausgedehnte Wälder, offene Höhenzüge und gewachsene Ortschaften geprägt wird. Für die Menschen, die hier leben, ist diese Landschaft weit mehr als eine geografische Umgebung. Sie ist Heimat, Lebensraum und ein Stück Identität.


Genau hier plant die ABO Energy GmbH & Co. KGaA die Errichtung eines Windparks mit vier Anlagen des Typs ENERCON E-175 E2. Jede dieser Anlagen soll eine Gesamthöhe von 262,5 Metern erreichen und über eine Nennleistung von sieben Megawatt verfügen. Zusammen ergibt das eine installierte Leistung von 28 Megawatt. Das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren läuft bereits.

Zum Vergleich: Der weithin sichtbare Sendemast auf der Marienberger Höhe ist 180 Meter hoch. Die geplanten Windkraftanlagen würden ihn um jeweils 82,5 Meter überragen. Sie wären damit keine gewöhnliche Ergänzung der bereits vorhandenen technischen Infrastruktur, sondern ein weithin sichtbarer Eingriff in das Erscheinungsbild unserer gesamten Region.


Die Bürgerinitiative lehnt dieses Vorhaben ab. Wir wollen verhindern, dass unsere Heimatlandschaft für Jahrzehnte durch vier derart gewaltige Industrieanlagen verändert wird.


Ein weiteres Projekt einer gescheiterten Energiepolitik


Unser Widerstand gegen den Windpark Kirburg beschränkt sich allerdings nicht auf Fragen des Landschaftsbildes und des Naturschutzes. Er beruht ebenso auf unserer grundsätzlichen Kritik an der deutschen Energiewende.


Seit dem Jahr 2000 wird die Energieversorgung Deutschlands mit erheblichem politischem und finanziellem Aufwand umgebaut. Nach 26 Jahren und nach unserer Einschätzung 500 bis 1.000 Milliarden Euro staatlich finanzierter Förderungen und Subventionen muss die Frage gestellt werden, was dieses energiepolitische Großexperiment tatsächlich erreicht hat.


Unsere Bewertung ist eindeutig: Die sogenannte Energiewende ist gescheitert.


Deutschland verfügt inzwischen über gewaltige installierte Leistungen aus Windkraft und Photovoltaik, ist aber weiterhin auf gesicherte Kraftwerksleistung, Stromimporte und zusätzliche Reservekapazitäten angewiesen. Das ist keine vorübergehende technische Unzulänglichkeit, sondern eine Folge der Wetterabhängigkeit dieser Energiequellen. Windkraftanlagen erzeugen bei Windstille keinen Strom, unabhängig davon, wie viele Anlagen installiert wurden. Photovoltaik fällt nachts vollständig aus und liefert bei ungünstiger Witterung erheblich weniger Leistung.


Die sichere Energieversorgung eines hochindustrialisierten Landes muss jedoch zu jeder Stunde gewährleistet sein, unabhängig von Tageszeit, Jahreszeit und Wetterlage.


Gleichzeitig hat sich das deutsche Energieversorgungssystem zu einem erheblichen Kostenfaktor für Unternehmen und private Haushalte entwickelt. Neben den unmittelbaren Kosten der Stromerzeugung müssen immer größere Aufwendungen für Netzausbau, Netzstabilisierung, Reservekapazitäten und die Bewirtschaftung wetterabhängiger Einspeisung finanziert werden.


Wir sehen in dieser Entwicklung eine wesentliche Ursache der hohen deutschen Energiekosten und einen erheblichen Beitrag zum Verlust industrieller Wettbewerbsfähigkeit. Die schleichende Deindustrialisierung Deutschlands, die Verlagerung von Investitionen und der Verlust wirtschaftlicher Substanz sind für uns untrennbar mit den Folgen dieser Energiepolitik verbunden.


Dabei geht es längst nicht mehr allein um Strompreise. Eine Gesellschaft, deren industrielle und wirtschaftliche Grundlagen zunehmend geschwächt werden, riskiert ihren Wohlstand, ihre soziale Stabilität und langfristig auch ihren gesellschaftlichen Zusammenhalt.


Während die wirtschaftlichen Belastungen für Unternehmen und Bürger wachsen, hat sich rund um die Energiewende eine internationale Industrie entwickelt, deren Geschäftsmodelle zu erheblichen Teilen von politischen Ausbauzielen, staatlichen Fördermechanismen und regulatorischen Eingriffen abhängen. Daraus entstehen wirtschaftliche Interessen, die bei der öffentlichen Diskussion über Sinn, Nutzen und Kosten dieser Politik nicht ausgeblendet werden dürfen.


Vor diesem Hintergrund stellt sich für uns auch beim Windpark Kirburg die grundsätzliche Frage, warum der weitere Ausbau wetterabhängiger Stromerzeugung weiterhin als alternativlos dargestellt wird, obwohl die strukturellen Probleme der deutschen Energieversorgung dadurch nicht automatisch gelöst werden.


Was der Windpark für unsere Region bedeuten würde


Unabhängig von dieser grundsätzlichen energiepolitischen Bewertung wären die unmittelbaren Folgen des Projekts für unsere Heimat erheblich.


Vier Windenergieanlagen mit einer Höhe von jeweils 262,5 Metern würden nicht nur die unmittelbaren Standorte prägen. Aufgrund ihrer Dimensionen wären sie auch aus zahlreichen umliegenden Ortschaften und von weit entfernten Punkten unserer Region sichtbar. Das Landschaftsbild des Hohen Westerwaldes würde sich dauerhaft verändern.


Hinzu kommen die baulichen Eingriffe. Für Anlagen dieser Größenordnung werden massive Fundamente, Schwertransportwege, Kranstellflächen und umfangreiche Montagebereiche benötigt. Die rund 86 Meter langen Rotorblätter müssen ebenso zu den Standorten transportiert werden wie Turmsegmente, Maschinenhäuser und weitere schwere Bauteile. Vorhandene Waldwege müssen dafür gegebenenfalls verbreitert, Kurvenradien angepasst und zusätzliche Flächen in Anspruch genommen werden.


Welche Flächen beim Windpark Kirburg tatsächlich dauerhaft oder vorübergehend beansprucht werden sollen, ist bislang nicht vollständig öffentlich nachvollziehbar. Dasselbe gilt für wesentliche Angaben zu den Auswirkungen von Schall und Schattenwurf, zur konkreten Ertragsprognose und zu den finanziellen Bedingungen der kommunalen Beteiligung.


Auch der Natur- und Artenschutz verdient besondere Aufmerksamkeit. Im Umfeld der geplanten Anlagen befinden sich gesetzlich geschützte Biotope und mehrere Schutzgebiete. Nach den vorliegenden behördlichen Unterlagen berührt die vorgesehene Zuwegung zudem ein Wasserschutzgebiet im Bereich der Quelle „Viehweide“.


Die SGD Nord hat im September 2026 entschieden, dass nach dem Ergebnis ihrer standortbezogenen Vorprüfung keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen ist. Gleichzeitig erwartet die Behörde aufgrund der Anlagenhöhe Auswirkungen auf das Landschaftsschutzgebiet, für die ein finanzieller Ausgleich vorgesehen ist.


Für uns ist damit keineswegs die grundsätzliche Frage beantwortet, ob ein derartiger Eingriff in unsere Landschaft verantwortbar und im Interesse der hier lebenden Menschen ist.


Die Menschen müssen wissen, was auf sie zukommt


Wir halten es für selbstverständlich, dass bei einem Projekt dieser Tragweite sämtliche entscheidungsrelevanten Informationen öffentlich und verständlich zugänglich sein müssen. Dazu gehören insbesondere die tatsächlichen Eingriffe in Wald- und Naturflächen, die Auswirkungen auf die umliegenden Wohngebiete, der zu erwartende Stromertrag, die wirtschaftlichen Vereinbarungen mit den betroffenen Gemeinden und die finanziellen Sicherheiten für den späteren Rückbau.


Auch mögliche wirtschaftliche Interessen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Veränderungen unserer Landschaft für viele Jahrzehnte bestehen bleiben würden. Eine Gemeinde mag aus der Verpachtung von Flächen Einnahmen erzielen. Der Verlust eines vertrauten Landschaftsbildes und die Veränderungen des unmittelbaren Lebensumfeldes lassen sich dadurch jedoch nicht ohne Weiteres aufwiegen.


Auf dieser Internetseite werden wir deshalb die Planungen zum Windpark Kirburg Schritt für Schritt aufarbeiten. In gesonderten Artikeln werden wir insbesondere die konkreten Anlagenstandorte, die technischen Dimensionen, den Flächenbedarf und die Auswirkungen auf unsere Region darstellen. Ebenso werden wir uns mit den wirtschaftlichen Hintergründen und den noch unbeantworteten Fragen beschäftigen.


Unser Anspruch ist es, die verfügbaren Informationen nachvollziehbar aufzubereiten und eine öffentliche Diskussion zu ermöglichen, die nicht allein von den Interessen der Projektentwickler und den politischen Zielsetzungen der Energiewende bestimmt wird.


Unser Ziel ist die Verhinderung des Windparks Kirburg


Die Bürgerinitiative ist aus der Überzeugung entstanden, dass unsere Heimat nicht widerspruchslos für immer neue energiepolitische Großprojekte zur Verfügung stehen darf. Wir wollen weder die geplanten vier Windenergieanlagen noch die damit verbundenen dauerhaften Veränderungen unserer Landschaft akzeptieren.


Dazu werden wir die rechtlichen und demokratischen Möglichkeiten nutzen, die Bürgerinitiative weiter aufbauen und die Öffentlichkeit über die tatsächlichen Dimensionen des Projekts informieren.


Unser Widerstand ist zugleich Ausdruck einer grundsätzlichen Forderung nach einer energiepolitischen Kurskorrektur. Nach mehr als einem Vierteljahrhundert Energiewende halten wir es für notwendig, die bisherigen Ergebnisse an den ursprünglichen Versprechen zu messen und die wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Folgen ohne politische Scheuklappen zu diskutieren.


Eine sichere und bezahlbare Energieversorgung ist eine wesentliche Voraussetzung für eine funktionierende Volkswirtschaft und den Wohlstand ihrer Bevölkerung. Sie darf nicht zum Gegenstand eines unbegrenzt fortgesetzten politischen Experiments werden.


Für den Windpark Kirburg bedeutet dies, dass wir uns mit allen demokratischen und rechtsstaatlichen Mitteln gegen die Realisierung des Vorhabens einsetzen werden. Noch ist keine der vier Anlagen errichtet. Noch können die Menschen unserer Region ihre Einwände vorbringen und sich in die öffentliche Diskussion einbringen.


Wir werden unsere Heimat nicht kampflos einer Entwicklung überlassen, die wir weder energiepolitisch noch wirtschaftlich oder ökologisch für überzeugend halten.


Wir sagen Nein zum Windpark Kirburg.

 
 
 

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