Windpark Kirburg: Die gewaltigen Dimensionen der geplanten Anlagen
Vier Windenergieanlagen mit jeweils 262,5 Metern Gesamthöhe, zwölf Rotorblätter, rund 7.200 Tonnen Fundamentbeton, mehr als 11.000 Tonnen Baumasse und erhebliche Eingriffe in die Wald- und Naturlandschaft. Was zwischen Kirburg, Lautzenbrücken und Bölsberg entstehen soll, ist ein industrielles Großprojekt, dessen Ausmaße alles übertreffen, was bislang in unserer Region an Windenergieanlagen errichtet wurde.

Wer heute von Windenergieanlagen spricht, hat häufig noch jene vergleichsweise kleinen Windräder vor Augen, die bereits seit Jahrzehnten an verschiedenen Stellen im Westerwald stehen. Mit diesen Anlagen hat das, was die ABO Energy GmbH & Co. KGaA zwischen Kirburg, Lautzenbrücken und Bölsberg errichten will, nur noch wenig gemeinsam. Geplant sind vier Windenergieanlagen des Typs ENERCON E-175 E2 mit jeweils sieben Megawatt Nennleistung. Jede Anlage soll eine Nabenhöhe von 175 Metern und einen Rotordurchmesser von ebenfalls 175 Metern besitzen. Daraus ergibt sich eine Gesamthöhe von 262,5 Metern. Zusammen würden die vier Anlagen eine installierte Leistung von 28 Megawatt erreichen.
Wie gewaltig diese Dimensionen sind, lässt sich besonders gut anhand des weithin sichtbaren Fernsehturms auf der Marienberger Höhe verdeutlichen. Der Turm erreicht eine Höhe von 180 Metern. Bei einer ENERCON E-175 E2 befindet sich in 175 Metern Höhe erst die Rotornabe, also der Mittelpunkt des Rotors. Darüber ragt ein senkrecht nach oben stehendes Rotorblatt weitere 87,5 Meter hinaus. Die höchste Spitze der Windenergieanlage liegt damit 82,5 Meter über dem Fernsehturm. Selbst die unterste Position eines Rotorblattes befindet sich noch 87,5 Meter über dem Boden.
Auch der Vergleich mit der bereits vorhandenen älteren Windenergieanlage bei Kirburg zeigt die Größenverhältnisse. Diese ist etwa 96 Meter hoch und besitzt einen Rotordurchmesser von rund 52 Metern. Jede der vier neuen Anlagen wäre damit nahezu 2,7-mal so hoch. Der Rotordurchmesser wäre mehr als dreimal so groß, die vom Rotor überstrichene Kreisfläche sogar mehr als elfmal so groß. Was bislang als Windrad in unserer Landschaft bekannt war, erscheint gegenüber den geplanten Anlagen geradezu winzig.
Jede der vier Windenergieanlagen besitzt drei Rotorblätter mit einer Länge von jeweils rund 86 Metern. Insgesamt müssten somit zwölf dieser gewaltigen Bauteile zu den vorgesehenen Standorten transportiert werden. Ein einzelnes Rotorblatt wiegt ungefähr 28 Tonnen. Zusammen bringen die zwölf Rotorblätter rund 336 Tonnen auf die Waage. Würde man alle zwölf Blätter hintereinanderlegen, ergäbe sich eine Gesamtlänge von mehr als einem Kilometer.
Auch die von den Rotoren überstrichenen Flächen verdeutlichen die Größenordnung. Bei einem Rotordurchmesser von 175 Metern beträgt die Kreisfläche eines einzelnen Rotors rund 24.000 Quadratmeter. Alle vier Anlagen zusammen überstreichen damit rechnerisch eine Rotorfläche von rund 96.000 Quadratmetern oder 9,6 Hektar. Das sind keine Bodenflächen, sondern die Flächen, innerhalb derer sich die Rotorblätter bewegen. Diese gewaltigen, ständig rotierenden Konstruktionen würden das Landschaftsbild zwischen Kirburg, Lautzenbrücken und Bölsberg künftig weithin sichtbar prägen.
Dabei sind die oberirdisch sichtbaren Dimensionen nur ein Teil des Bauvorhabens. Auch die Fundamente, auf denen die Anlagen errichtet werden sollen, besitzen enorme Ausmaße. Für die vorgesehene Anlagenkonfiguration ergeben die ausgewerteten technischen Unterlagen Fundamentdurchmesser von rund 28,4 Metern. Ein einzelnes Fundament erreicht damit eine Grundfläche von ungefähr 633 Quadratmetern. Die erforderliche Betonmasse liegt in einer Größenordnung von rund 1.800 Tonnen je Anlage. Für vier Fundamente summiert sich dies auf etwa 7.200 Tonnen Beton beziehungsweise rund 3.000 Kubikmeter.
Allein für den Transport dieser Betonmenge wären bei einer durchschnittlichen Ladung von vier bis fünf Kubikmetern je Betonmischfahrzeug rund 600 bis 750 beladene Fahrten erforderlich.
Einschließlich der Rückfahrten ergibt das zwischen 1.200 und 1.500 Fahrbewegungen. Und das ausschließlich für den Fundamentbeton. Turmsegmente, Generatoren, Maschinenhäuser, Rotorblätter, Bewehrungsstahl, Transformatoren und sämtliche weiteren Baumaterialien müssen zusätzlich zu den vier Baustellen transportiert werden.
Die Dimensionen setzen sich bei den übrigen Hauptkomponenten fort. Ein Turm der entsprechenden Anlagenkonfiguration bringt rund 700 Tonnen auf die Waage. Der Generator wiegt etwa 120 Tonnen, das Maschinenhaus ungefähr 79 Tonnen und die Naben- und Lagereinheit rund 81 Tonnen. Hinzu kommen die drei Rotorblätter mit insgesamt etwa 84 Tonnen. Einschließlich der Fundamente ergibt sich daraus eine rechnerische Gesamtmasse der wesentlichen Hauptkomponenten von rund 2.864 Tonnen je Anlage. Für den gesamten Windpark sind das rund 11.500 Tonnen. Weitere Baustoffe für Fundamente, Wege, Kranstellflächen, elektrische Leitungen und sonstige Infrastruktur kommen hinzu.
Damit wird auch deutlich, welcher Aufwand notwendig ist, bevor sich die Rotoren überhaupt zum ersten Mal drehen können. Die vorhandenen Wald- und Wirtschaftswege sind nicht für den Transport derartiger Bauteile ausgelegt. Insbesondere die rund 86 Meter langen Rotorblätter benötigen ausreichend breite Zufahrten, entsprechend ausgebaute Kurvenradien und zusätzliche Freihalteflächen. Für die Errichtung der Anlagen werden außerdem große und hoch belastbare Kranstellflächen, Montagebereiche und Lagerplätze benötigt.
Eine veröffentlichte Flächenplanung für eine vergleichbare ENERCON-E-175-E2-Konfiguration weist je Anlage rund 11.062 Quadratmeter unmittelbare Anlagen-, Bau- und Arbeitsflächen aus. Für vier Anlagen ergibt dies insgesamt etwa 44.248 Quadratmeter oder 4,42 Hektar. Zusätzliche Zuwegungen, Kurvenaufweitungen, Wegverbreiterungen und Transportkorridore kommen hinzu. Die tatsächlichen Eingriffe beschränken sich damit keineswegs auf die vier Fundamentstandorte, sondern erstrecken sich auch auf die umliegende Wege- und Waldinfrastruktur.
Gerade die Lage des geplanten Windparks macht diese Eingriffe besonders schwerwiegend. Die vier Anlagen sollen in den Gemarkungen Kirburg, Lautzenbrücken und Bölsberg entstehen und verteilen sich über einen rund zwei Kilometer langen Landschaftsraum, der bislang überwiegend durch Wälder, Wiesen und landwirtschaftliche Nutzung geprägt wird. Im Umfeld befinden sich gesetzlich geschützte Biotope sowie mehrere Natur- und Landschaftsschutzgebiete. Die vorgesehene Zuwegung berührt zudem ein Wasserschutzgebiet im Bereich der Quelle „Viehweide“.
Hinzu kommt die technische Ausstattung der Anlagen. Insgesamt sind für die vier Windenergieanlagen fast 10.000 Liter Transformator- und Kühlflüssigkeit vorgesehen. Bei Anlagen dieser Größenordnung sind der Schutz der Wasserressourcen, die Brandvorsorge und die Möglichkeiten der Feuerwehr von erheblicher Bedeutung. Ein Brand in einem Maschinenhaus in 175 Metern Höhe stellt die Einsatzkräfte vor vollkommen andere Herausforderungen als ein gewöhnlicher Gebäudebrand. Gerade in einer waldreichen Landschaft dürfen diese Gefahren nicht unterschätzt werden.
Auch das spätere Ende des Windparks gehört zur Gesamtbetrachtung. Nach einer Betriebsdauer von 20 oder 25 Jahren stellt sich die Frage nach dem Rückbau der Anlagen und ihrer Fundamente. Bei vier Windenergieanlagen dieser Dimension geht es um Tausende Tonnen Stahl, Beton und technische Komponenten. Hinzu kommen befestigte Flächen, Zufahrtswege und elektrische Infrastruktur. Die vollständige Beseitigung dieser Bauwerke und die Wiederherstellung der beanspruchten Flächen wären erneut mit erheblichen technischen und finanziellen Aufwendungen verbunden.
Was sich hinter der nüchternen Bezeichnung „Windpark Kirburg“ verbirgt, ist damit ein industrielles Großprojekt, dessen Auswirkungen weit über die bloße Stromerzeugung hinausreichen. Vier Anlagen mit einer Gesamthöhe von jeweils 262,5 Metern würden unsere Landschaft über Jahrzehnte prägen. Die notwendigen Bauarbeiten erfordern den Transport und die Verarbeitung gewaltiger Materialmengen sowie umfangreiche Eingriffe in die vorhandene Natur- und Waldlandschaft.
Dabei darf auch die grundsätzliche energiepolitische Frage nicht ausgeblendet werden. Nach 26 Jahren Energiewende und nach unserer Einschätzung 500 bis 1.000 Milliarden Euro staatlich finanzierter Förderungen und Subventionen sehen wir die zentralen Versprechen einer sicheren, bezahlbaren und wettbewerbsfähigen Energieversorgung als gescheitert an. Deutschland verfügt inzwischen über eine gewaltige installierte Leistung aus Windkraft und Photovoltaik, bleibt aber weiterhin auf gesicherte Kraftwerksleistung, Reservekapazitäten und Stromimporte angewiesen. Weitere wetterabhängige Erzeugungskapazitäten ändern nichts an diesem grundsätzlichen Problem.
Die Bürgerinitiative hält es deshalb für falsch, immer größere Teile unserer Natur- und Kulturlandschaft für den fortgesetzten Ausbau einer Energiepolitik in Anspruch zu nehmen, deren technische und wirtschaftliche Folgen aus unserer Sicht längst eine grundlegende Kurskorrektur erforderlich machen. Während die sichere Energieversorgung eines Industrielandes durch zusätzliche Windenergieanlagen allein nicht gewährleistet werden kann, wären die Veränderungen unserer Heimat konkret, weithin sichtbar und auf Jahrzehnte angelegt.
Die Dimensionen des geplanten Windparks Kirburg zeigen, was tatsächlich auf unsere Region zukommt. Es handelt sich nicht um vier unscheinbare Windräder, sondern um vier gewaltige Industrieanlagen, deren Errichtung mit erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden wäre. Wir lehnen dieses Vorhaben ab und werden uns mit allen demokratischen und rechtsstaatlichen Mitteln dafür einsetzen, seine Realisierung zu verhindern.
Quelle: Bescheid der SGD Nord vom 22. September 2026 sowie die vorliegenden tec


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